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Raus aus der Langzeitarbeitslosigkeit

Dein Weg zurück ins Arbeitsleben

Foto: jonathan rados / unsplash
Foto: jonathan rados / unsplash

Kürzere Phasen der Arbeitslosigkeit sind nicht ungewöhnlich und in vielen Lebensläufen zu finden. Das sind meist Übergangsphasen zwischen dem einen und dem anderen Job. Langzeitarbeitslosigkeit kann ein großes Problem sein. Es gibt Gründe, warum sich der Wiedereinstieg in den Job schwierig gestaltet. Wir gehen den Ursachen auf den Grund und erklären, was du tun kannst, um nach langer Arbeitslosigkeit zurück in den Job zu finden.

Ab wann gilt man als langzeitarbeitslos?

Langzeitarbeitslosigkeit heißt in Deutschland, wenn jemand mindestens ein Jahr arbeitslos ist. Das Dritte Sozialgesetzbuch sagt dies in § 18. Es gibt jedoch viele Langzeitarbeitslose, die länger als ein Jahr arbeitslos sind. Auch wenn die Bundesagentur für Arbeit und andere Einrichtungen die berufliche Wiedereingliederung unterstützen, gelingt das nicht immer. Lange Zeit ist die Zahl der Langzeitarbeitslosen kontinuierlich gesunken. Mittlerweile sind bei den Erhebungen zur Langzeitarbeitslosigkeit in Deutschland die Auswirkungen von Corona zu spüren, es sind derzeit etwa eine Million Menschen langzeitarbeitslos.

Langzeitarbeitslosigkeit – Ursachen, Folgen und Chancen / Foto: masaaki komori / unsplash

Langzeitarbeitslosigkeit – Ursachen, Folgen und Chancen / Foto: masaaki komori / unsplash

Langzeitarbeitslosigkeit – welche Ursachen stecken dahinter?

Die Arbeitslosigkeit ist schnell passiert. Der frühere Arbeitgeber muss Stellen abbauen, weil die wirtschaftliche Lage sich verschlechtert hat. Oder das Unternehmen geht pleite und alle Mitarbeiter stehen plötzlich auf der Straße. Manchmal ist man selbst mit dem Job unzufrieden, kündigt und sucht nach einer anderen Stelle. Es kann auch sein, dass du im Anschluss an die Ausbildung nicht übernommen wirst oder nach dem Studium keinen Job findest. In vielen Fällen ist der Zustand der Arbeitslosigkeit nur vorübergehend und nach einigen Wochen oder Monaten hast du etwas Passendes gefunden. Du kannst aber auch langzeitarbeitslos werden. Dann stecken dahinter häufig Ursachen wie:

  • Gesundheitliche Probleme. Wer wegen gesundheitlicher Probleme aus dem Job ausscheiden musste, hat Schwierigkeiten, wieder ins Berufsleben zurückzufinden. Vielleicht ist eine Rückkehr in den früheren Job aufgrund einer bestimmten Erkrankung gar nicht mehr möglich. In solchen Fällen können eine Umschulung und eine berufliche Neuorientierung sinnvoll sein.
  • Das Alter kann ein Grund für lange Arbeitslosigkeit sein. Wer in höherem Alter seinen Job verliert, hat ein höheres Risiko, in die Langzeitarbeitslosigkeit zu rutschen. In jungen Jahren ist es weniger ein Problem, schnell wieder einen Job zu finden. Ab einem Alter von 50 Jahren ist es nicht mehr so einfach.
  • Vorurteile können Langzeitarbeitslosen im Weg stehen. Wer mehrere Monate oder gar Jahre nicht ins Berufsleben zurückfindet, hat mit Vorurteilen zu kämpfen. Möglicherweise wird den Jobsuchenden Faulheit, fehlendes Engagement oder fehlende Motivation, mangelndes Können oder ein veralteter Wissensstand unterstellt. Diese Vorurteile sind nicht immer gerechtfertigt und machen es Jobsuchenden schwer.

Welche Folgen hat Langzeitarbeitslosigkeit?

Langzeitarbeitslosigkeit sucht sich keiner aus. Es mag Menschen geben, die diesen Zustand selbst gewählt haben, viele sind jedoch unfreiwillig arbeitslos. Ohne Arbeit zu sein, bedeutet für viele, keinen Sinn im Leben zu haben. Sie fühlen sich nutzlos und sehen keinen Sinn in ihrem Dasein. Arbeit kann sinnstiftend sein. Wer sein Leben nicht anderweitig mit einer sinnstiftenden Tätigkeit füllen kann, leidet unter der Langzeitarbeitslosigkeit. Folgende physischen und psychischen Probleme können sich durch Langzeitarbeitslosigkeit ergeben:

  • Schuldgefühle
  • Soziale Isolation
  • Wertverlust der beruflichen Ausbildung und Erfahrung
  • Gesundheitliche Probleme wie Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Essstörungen, Müdigkeit, Antriebslosigkeit und Depressionen.
  • Niedrigeres Gehalt im nächsten Job

 

Ab wann gilt man als langzeitarbeitslos? Foto: ron lach / Pexels

Ab wann gilt man als langzeitarbeitslos? Foto: ron lach / Pexels

Langzeitarbeitslosigkeit – Wege zurück ins Berufsleben

Wer lange Zeit arbeitslos ist, hat es schwer, den Weg zurück ins Berufsleben zu finden. Jeder sollte aber die Möglichkeiten erkennen und die Augen offen halten. Wer bereit ist, etwas dafür zu tun und wieder ins Berufsleben einsteigen möchte, sollte sich nicht entmutigen lassen. Folgende Tipps können hilfreich sein:

  • Ziehe eine berufliche Veränderung in Betracht. In deinem früheren Job findest du keine Anstellung? Schau dich in anderen Branchen um. Hier gilt es, den eigenen Horizont zu erweitern und zu schauen: Was gibt's noch? Was könnte ich tun? Sich selbst zu verändern, ist nicht leicht. Allerdings kann ein Job- oder Branchenwechsel die bessere Alternative zu einer jahrzehntelangen Arbeitslosigkeit sein. Gute Einstiegschancen für Langzeitarbeitslose bieten der Gesundheits- und Pflegebereich, der Reinigungsbereich sowie Call-Center.
  • Such dir Unterstützung im Jobcenter. Die Mitarbeiter im Jobcenter sind nicht nur dafür zuständig, dein Arbeitslosengeld zu genehmigen. Du kannst dein Problem ansprechen und nach Unterstützung für die Rückkehr ins Berufsleben fragen. Das Jobcenter ist der richtige Ansprechpartner, wenn du Informationen, Kontakt zu potenziellen Arbeitgebern, Hilfsangebote sowie unterstützende Maßnahmen suchst.
  • Bilde dich persönlich und beruflich weiter. Du bist arbeitslos? Dann hast du dadurch einen Vorteil. Du kannst zusätzliche Zeit in persönliche und berufliche Weiterbildungen investieren. Weiterbildungen können ein wichtiger Schritt auf dem Weg aus der Langzeitarbeitslosigkeit sein. Du beweist damit potenziellen Arbeitgebern und dem Jobcenter, dass du bereit bist, dich zu engagieren und motiviert an deiner beruflichen Zukunft zu arbeiten. Auch hier kannst du dich von der Bundesagentur für Arbeit unterstützen lassen und deine Weiterbildungen durch Bildungsgutscheine finanzieren. Wer langzeitarbeitslos ist, hat gute Chancen auf unterstützende Maßnahmen. Das Ziel der Bundesagentur für Arbeit ist, Arbeitslosen den Wiedereinstieg ins Berufsleben zu ermöglichen.
  • Arbeite an deinem Netzwerk. Kontakte sind wichtig, um im Berufsleben voranzukommen und im Zweifelsfall von einer interessanten freien Stelle zu erfahren. Zudem kann dich einer deiner Kontakte potenziellen Arbeitgebern empfehlen, was dir Pluspunkte einbringt. Zusätzlich kannst du Online-Plattformen wie LinkedIn und Xing nutzen sowie Jobmessen besuchen.
  • Arbeite an deinem Selbstbewusstsein. Langzeitarbeitslos zu sein, kann aufs Gemüt schlagen. Im nächsten Vorstellungsgespräch will keiner ein betrübtes Häufchen Elend sehen, sondern einen selbstbewussten, souveränen Bewerber. Achte auf dich, feiere kleine Erfolge und führe ein Tagebuch, in welchem du deine Erfolge festhältst.

Fazit

Langzeitarbeitslos zu sein, ist in vielen Fällen kein selbst gewähltes Schicksal, sondern hat mit gesundheitlichen Problemen, dem Alter und Vorurteilen zu tun. Wenn du langzeitarbeitslos bist, solltest du Wege und Möglichkeiten suchen, um dich beruflich und persönlich weiterzubilden. Arbeite an dir und deinem Selbstbewusstsein und lass dich von einem Netzwerk, der Bundesagentur für Arbeit und anderen Einrichtungen unterstützen.

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