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Spiegel – Fluch oder Segen?

Wie dein Spiegelbild deine Psyche beeinflusst

Foto: vince fleming / unsplash
Foto: vince fleming / unsplash

Der schöne Narziss verliebte sich in sein Spiegelbild und wies die Liebe von Echo zurück. Er war ständig damit beschäftigt, sich in der spiegelnden Oberfläche des Flusses zu betrachten. Diese Selbstverliebtheit wurde ihm irgendwann zum Verhängnis, er stürzte eines Tages ins Wasser und ertrank. Man könnte sagen, dass Narziss' Selbstverliebtheit tödlich war. Von Spiegeln geht eine Faszination aus. Spiegel können aber noch viel mehr, sie können die Produktivität steigern.

Warum dein Spiegelbild dich produktiver macht / Foto: sekatsky / unsplash

Warum dein Spiegelbild dich produktiver macht / Foto: sekatsky / unsplash

Spiegel – unheimlich faszinierend oder unheimlich und faszinierend

Spiegel üben seit jeher eine Faszination auf den Menschen aus. Jede glatte, reflektierende Oberfläche, die unser Spiegelbild zeigt, zieht uns nahezu magisch an. Bei Narziss war es die spiegelnde Wasseroberfläche, heute sind es spiegelnde Schaufenster, an denen wir kaum ohne einen Blick hinein vorbeigehen können. Selbst im alten Ägypten betrachteten die Menschen im Spiegel gerne ihr Bild, wie alte ägyptische Wandmalereien zeigen. Heute finden wir Spiegel überall, sie sind Teil unseres Alltags und begleiten uns durch nahezu jeden Raum. Spiegelflächen zeigen uns eine Mischung aus Realität und Wunsch. Wir betrachten unser Ich im Spiegel und sehen uns, wie wir sind, oder wir sehen uns, wie wir gerne wären. Die Beziehung zu Spiegeln ist nicht immer einfach, wie Märchen wie "Schneewittchen" beweisen.

Zwei Dinge spielen beim Blick in spiegelnde Flächen eine besonders große Rolle:

  • Eitelkeit: Kaum jemand gibt es zu, aber viele von uns sind eitel. Wir wollen gut aussehen, und der Spiegel soll ein Bild zeigen, das uns gefällt. Wir checken im Spiegel das Bild, um zu sehen, ob Kleidung, Haare oder Make-up on Point sind.
  • Außenwirkung: Wir wollen andere beeindrucken. Wir wollen sehen, wie uns andere wahrnehmen. Wie gehen, stehen, reden und lachen wir? Was andere über uns denken, nimmt bei uns einen hohen Stellenwert ein. Wir wollen einen guten Eindruck hinterlassen.

Spiegelbilder – die menschliche Psyche

Wusstest du, dass es Spiegelneuronen gibt und dass wir Menschen, die uns spiegeln, automatisch sympathisch finden? Dein Gegenüber nimmt die gleiche Körperhaltung ein, er spricht ähnlich wie du, und die Mimik ist dir vertraut. Menschen, die uns spiegeln finden wir anziehend. Jeder Mensch hat narzisstische Anteile. Wir gehen noch einen Schritt weiter. Spiegelt dich dein Gegenüber und du nimmst an, dass dieser dir Sympathie entgegenbringt, wirst du netter und umgänglicher. In der Fachsprache ist dieser Umstand als Akzeptanzresonanz bekannt.

Warum machen Spiegel uns produktiver?

Spiegel und wie der Mensch sein Spiegelbild wahrnimmt, war und ist Thema in der Wissenschaft. Welche neuronalen Vorgänge werden angestoßen, wenn wir uns im Spiegel ansehen? Was geht dabei im Menschen vor? In der Psychotherapie und Medizin werden Spiegel beziehungsweise Spiegelbilder erfolgreich zur Therapie eingesetzt. Wissenschaftler haben festgestellt, dass sich durch Spiegel chronische Schmerzen oder Phantomschmerzen lindern lassen.

Im beruflichen Kontext spielt die Linderung von Schmerzen keine Rolle, aber es kann die Produktivität steigern, wenn du im Spiegel ein Bild von dir betrachtest. Wissenschaftler stellten bei der Untersuchung fest, dass die Probanden sich mehr anstrengten, weniger in Bezug auf ihre tatsächliche Leistung vortäuschten und hilfsbereiter waren, wenn sie in einem Büro arbeiteten, das mit großen Spiegeln ausgestattet war. Wer sein Spiegelbild die ganze Zeit sehen konnte, fällte seltener Urteile über Kollegen und hielt sich mehr vom Schubladendenken in Bezug auf Religion, Geschlecht und Rasse fern.

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass Menschen, die im Spiegel ihr Bild sehen können, sich selbst bewusster werden und mehr über ihre Handlungen nachdenken. Sie handeln nicht automatisch, sondern reflektieren mehr. Wer sich im Spiegel ansehen muss, verhält sich tendenziell besser. Man könnte hier durchaus einen Vergleich zum selbstverliebten Narziss sehen. Muss man sich selbst schon im Spiegel ansehen, dann soll das wenigstens ein schönes Bild sein. Sich selbst den Spiegel vorzuhalten, kann auf mehreren Ebenen sinnvoll sein. Diesen Umstand kann man sich im Job zunutze machen.

Erfahre, wie dein Spiegelbild deine Psyche beeinflusst / Foto: cottonbro / Pexels

Erfahre, wie dein Spiegelbild deine Psyche beeinflusst / Foto: cottonbro / Pexels

Das sind die Vorteile, wenn Spiegel im Job gezielt eingesetzt werden

  • Einen Blick auf sein Spiegelbild zu werfen, im tatsächlichen wie im übertragenen Sinn, kann bedeuten, dass du deine Schwächen klarer erkennst. Wir gestehen uns Fehler ungern ein, reden Schwächen schön und wollen nicht genauer hinschauen. Doch manchmal müssen wir uns genau anschauen, um Schwächen aufzudecken und die Chance zu haben, diese zu beheben.
  • Sich im Spiegel ansehen zu müssen bedeutet, zu reflektieren. Du denkst nicht nur über deine Frisur, deine Haut oder deine Figur nach, sondern auch über dein Verhalten. Du fragst dich, was dein Handeln bewirkt, ob es richtig war und ob es Alternativen gibt. Dir wird im Spiegel mehr als ein Bild zurückgeworfen.
  • Wenn du dir selbst bewusster wirst, lernst du dich mehr zu schätzen. Nicht nur Schwachstellen darfst du genauer betrachten, auch deine Stärken dürfen in den Fokus rücken. Was macht dich aus? Was kannst du besonders gut? Deine Stärken, deine Fähigkeiten und das Schöne an dir darfst du wertschätzen.

Fazit

Spiegel zeigen uns nicht nur unser Spiegelbild, unsere oberflächliche Außenhülle, sie sorgen für mehr Bewusstsein. Wir nehmen uns und andere bewusster wahr. Wenn wir uns selbst in großen Wandspiegeln betrachten können, macht uns das zu produktiveren Mitarbeitern.

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