Psychospiele stoppen?

Ein kleiner Ratgeber für euch

Foto: bianca berg / unsplash
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Psychospiele, Psycho-Tricks und Manipulationen gehören, auch wenn man das nicht wahrhaben möchte, zu unserem Alltag. Wir alle werden manipuliert und wir manipulieren andere. Bewusst oder unbewusst machen wir bei Psychospielchen mit oder starten diese sogar. Ob Familie, Beruf, Freunde oder Freizeit – immer wieder kommt es zu Psychospielchen unterschiedlichster Art. In der Regel liegen den Manipulationen unbewusste, in der Kindheit erlernte Verhaltensmuster zugrunde. Psychospiele sind oftmals ein wirkungsvolles Mittel, um bestimmte Ziele zu erreichen oder sich in einem besseren Licht darzustellen. Was ihr gegen Psychospielchen unternehmen könnt und wie ihr nicht mehr so leicht zum Mitspieler werdet, verraten wir euch hier.

Warum sind Psychospiele eigentlich so beliebt?

Wenn jemand ein solches Psychospiel startet, verbergen sich dahinter häufig persönliche Probleme oder Wünsche. Euer Gegenüber möchte sich vielleicht als besonders stark oder durchsetzungsfähig darstellen. Vielleicht möchte sich euer Gesprächspartner auch einfach interessant machen oder er sucht gezielt nach Anerkennung. Manche Menschen provozieren gerne und freuen sich, wenn sie mit ihren Manipulationen Erfolg haben und sich der andere aufregt. Zuweilen haben Psychospiele auch einen konkreten Hintergrund. Euer Gegenüber möchte vielleicht, dass ihr im Job oder Haushalt eine bestimmte Aufgabe übernehmt, weil er darauf keine Lust hat oder sich überfordert fühlt. Anstatt diesen Umstand klar zu kommunizieren, werdet ihr provoziert und manipuliert. Oder stellt euch vor, in eurem Büro oder eurer WG stellt sich jemand immer wieder ungeschickt an. Beim Spüldienst rutscht dieser Person ständig ein Teller aus der Hand und Sachen werden umgestoßen. Oder euer Kollege jammert ständig darüber, wie viel er zu tun hat. Irgendwann werden ihm keine zusätzlichen Aufgaben mehr übertragen und sei es nur, um das nervige Gejammer zu beenden.

Psychospiele – so laufen diese ab

Oftmals laufen Psychospiele so ab, dass ihr mit der gleichen Person immer wieder in den gleichen Konflikt geratet und euch im Anschluss daran schlecht fühlt. In der Regel startet ein Psychospiel mit einem Köder. Der Köder sieht auf den ersten Blick häufig neutral aus, beinhaltet aber eine versteckte Botschaft beziehungsweise eine Kritik. Das kann ein Satz sein wie "Hast du dir schon wieder eine neue Handtasche gekauft?". Im nächsten Schritt geht es um den wunden Punkt. Wenn der wunde Punkt getroffen wird und ihr darauf reagiert, eskaliert das Gespräch und es kommt zum Streit.

 

Warum sind Psychospiele eigentlich so beliebt? Foto: goh rhy yan / unsplash

Warum sind Psychospiele eigentlich so beliebt? Foto: goh rhy yan / unsplash

Psychospielchen – mit welchen Ködern kann man euch locken?

Psychospiele müsst ihr euch wie einen Schlagabtausch im Tennis vorstellen. Es gibt immer jemanden, der einen Ball ins Spiel bringt. Aber damit das Spiel läuft, müsst ihr diesen Ball treffen und zurückschlagen. Ihr könnt euch auch entscheiden, das einfach nicht zu tun. Der Ball ist in diesem Beispiel der Köder, der euch locken soll, am Schlagabtausch teilzunehmen. Überlegt euch daher genau, wie euch euer Gegenüber schnell aus der Reserve locken kann:

  • Wann fühlt ihr euch angegriffen?
  • Welche Aussagen treffen euch und worauf reagiert ihr schnell und spontan?
  • Welche Dinge treffen euch so, dass ihr diese nicht ohne Widerspruch hinnehmen könnt?
  • Gibt es Unterstellungen und Behauptungen, die euch zu einer Reaktion zwingen?
  • Wann verspürt ihr einen inneren Druck und müsst handeln?

Hier kann es hilfreich sein, dass ihr euch selbst analysiert und eure Reaktion reflektiert. Gab es kürzlich ein Gespräch, das irgendwie eskaliert ist? Was war der Auslöser? Auf welchen Köder seid ihr angesprungen? Wenn ein Köder ausgeworfen wird, dürft ihr gar nicht erst anbeißen. Aus diesem Grund müsst ihr wissen, wie man euch ködert und festlegen, wie ihr auf solche Manipulationen reagieren wollt.

Euer Gegenspieler ist hartnäckig – das könnt ihr auch

Wenn ihr euch einmal entschieden habt, bestimmte Köder nicht mehr zu schlucken, dann solltet ihr euch daran halten. Wer gerne Psychospielchen treibt, wird damit nicht aufhören, nur weil ihr einmal nicht mitgespielt habt. Viele "Psychospieler" sind hartnäckig und versuchen es wieder und wieder. Zuweilen werden auch neue Köder ausgelegt, um zu testen, worauf ihr reagiert. Möchte euer Gegenüber die Psychospiele partout nicht sein lassen, hilft nur gnadenlose Offenheit. Dann müsst ihr ehrlich sagen, was euch an der Situation oder dem Verhalten des anderen stört.

So geht ihr gegen Psychospiele vor:

  • Psychospielchen analysieren und eigene Köder erkennen
  • Offene Fragen stellen, auf der sachlichen Ebene bleiben
  • Dem Gegenüber Wertschätzung und Respekt zeigen
  • Psychospiel offenlegen und klar ansprechen
  • Ich-Botschaften senden
  • Alternativen vorschlagen
  • Win-Win-Situation anstreben
  • Notbremse ziehen

 

Fazit

Psychospiele sind nichts Ungewöhnliches und oftmals steckt dahinter zwar eine bestimmte Motivation, aber keine böse Absicht. Wir alle manipulieren und werden manipuliert. Es gibt aber Menschen, mit denen wir immer wieder den gleichen Konflikt austragen und wir wissen nicht, wie wir aus dieser Spirale kommen. Hier helfen zum einen die verschiedenen Selbstmanagement Methoden, um sich besser im Griff zu haben. Und zum anderen lohnt sich bei wiederkehrenden Streitpunkten ein genauer Blick. In vielen Situationen kommt ihr mit Provokationen besser klar, wenn ihr gar nicht darauf eingeht und auf der sachlichen Ebene bleibt.

 

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